Gemeinschaftspraxis
Fortbildungstermine
Komunikation
Die Rezeption
Wartebereiche
Hausarztmedizin
Gastroenterologie
Kardiologie
Notfallmanagement
Patientenverfügung
Suchtmedizin
Betriebsmedizin/ASiG
Hepatitis C
Impressum
ADHS des Erwachsenen
ADHS Therapie
Amfetamin
Nebenwirkungen
Mein Leben mit ADHS
ADHS Biografien
ADHS und Sucht
ADHS des Kindes
Choralschola
Philosophie


 

 

Hallo Herr Dr. Selle,

ich muss mich bei Ihnen entschuldigen, dass ich Sie so lange auf meinen Bericht hab warten lassen.

Nun nach den ersten Wochen mit Medikinet adult, kann ich dafür aber auch genau beschreiben was sich für mich, meine Familie und meine Umgebung verändert hat.

Es fing damit an, dass sich alles um mich herum aufhellte und anscheinend mehr an Kontrast gewann. Zuvor, und mit abnehmender Wirkung der Tablette nahm und nehme ich meine Umgebung eher unschärfer, farbloser, trister und vor allem wie ein zweidimensionales Bild wahr.

Ich kann nun in einem Raum mit vielen Menschen die sich unterhalten, die Worte meines Gesprächspartners hören und mich auf das Gespräch konzentrieren.

Ohne Medikation ist mir dies nur unter sehr großer Anstrengung oder fast gar nicht möglich, da ich alle Menschen in diesem Raum gleichzeitig sprechen höre und mein Gegenüber nicht von der gesamten Geräuschkulisse unterscheiden kann.

Mir fallen plötzlich Personen oder Gegenstände auf, die ich vorher nicht wahrgenommen habe.

Freunde und Bekannte die mir auf derselben Straßenseite entgegenkamen, habe ich nur selten, eigentlich aber gar nicht wahrgenommen. Dies führte häufig zu Missverständnissen.

Auch die Fähigkeit etwas genau riechen zu können, sei es beim Essen kochen oder einfach nur der Blätterhaufen der so wunderbar nach Herbst riecht, habe ich mit dem Medikament bekommen.

Mein Essverhalten ändert sich!

Ich habe letztens in einem Restaurant ein Vanilleeis mit Schokolade und Sahne gegessen. Es war ein ganz besonderes Erlebnis! Sonst schmeckte es wie ein Vanille-Schoko-Sahne-Brei. Jetzt konnte ich jede der drei Geschmacksrichtungen für sich einzeln schmecken.

Während ich zum Teil aus Frust an den Kühlschrank ging und etwas aß, verspüre ich nun ein Sättigungsgefühl und nicht mehr den Drang außerhalb der normalen Mahlzeiten zu essen.

Zwar habe ich nie viel Alkohol konsumiert, aber unter der Medikation denke ich überhaupt nicht mehr daran.

Die Nutzung von Medien gestaltet sich nun gänzlich anders.

Während ich dass Computerspielen zum „mentalen Ausgleich“, um Spannungen und Aggressionen abzubauen täglich mehrere Stunden einsetzte, rückte es jetzt total in den Hintergrund und ich spreche wieder mit meiner Frau, oder wir unternehmen etwas mit den Kindern.

Mein Handeln ist „überlegter“ und nicht mehr von impulsiven Ausbrüchen gekennzeichnet.

Im Job klappt alles besser und scheint leichter von der Hand zu gehen.

Während ich vorher nur sehr schwer an einer Sache oder Tätigkeit dranbleiben konnte, kann ich diese nun ausdauernd und planvoll zu Ende bringen.

Im Umgang mit anderen Menschen werde ich sicherer und redegewandter.

„Smalltalk-Situationen“ werden kaum mehr zum Desaster!

Anscheinend werden die Menschen um mich herum freundlicher.

Aus Erfahrung weiß ich, das nicht die Menschen freundlicher geworden sind, sondern ich!

Es ist für mich nun leichter zu lächeln, als starr oder sogar mit heruntergezogenen Mundwinkeln durch die Gegend zu laufen.

Meine Gefühlswelt hat sich auch geändert!

Zukunftsängste die mich vorher beherrschten verspüre ich nicht mehr und meine Gefühlsschwankungen vor allem meine“ Depressionen“ sind nicht mehr vorhanden.

Endlich kann ich schlafen!

Während ich vorher bis ca. 3.00 Uhr morgens hellwach war und nicht schlafen konnte, werde ich nun am Abend gegen 22.00 Uhr müde und schlafe meistens eine Stunde später ein. Am nächsten Morgen fühle ich mich ausgeruht und ausgeglichen.

 

Und noch etwas eröffnet sich mir unter der Medikation!

Es ist die Fähigkeit Gefühle nicht nur verbal zu äußern, sondern sie auch tatsächlich empfinden zu können.

 

… und täglich entdecke ich neue positive Entwicklungen, die es für mich ohne Sie nicht gegeben hätte.

Dafür möchte ich Ihnen danken.

Vielen Dank !

 

 

~~~~~Mein alpha und mein omega~~~~~
Wie würde ich in einem Satz mein Leben beschreiben?
Ich würde sagen: Mein Leben war ein strategisches Rollenspiel!
„Das hatte ich dir aber doch gesagt!“
„Hast du mir nicht zugehört!?!?!?!“
Nein, hatte ich nicht. Schuldbewusst blickte ich meine
Kindergärtnerin an. Nun war sie bestimmt böse auf mich.
Verzweifelt und voller Wut auf mich selbst fiel nun mein Blick auf
das gefaltete rote Papierherz in meinen Händen.
Nein, ich hatte nicht zugehört. Meine Gedanken waren mal wieder
spazieren gegangen und bei dem rosa Prinzessinnenkleid hängen
geblieben, welches ich zum Kinderkarneval im Kindergarten
tragen durfte.
Und von dem Prinzessinnenkleid schlüpften meine Gedanken zur
Prinzessin auf der Erbse und ich fragte mich, wie sie es nur
geschafft hat, unter all diesen Matratzen diese kleine Erbse zu
spüren. Musste diese Erbse nicht zerbröselt sein? Waren Erbsen
wirklich so hart? Wieso war es überhaupt eine Erbse gewesen und
nicht eine Linse oder.....oder....oder?????
Ich erinnere mich das ich 4 Jahre alt war, als dieses geschah. Ich
denke das dies der Anfang meines strategischen Rollenspiels
namens Leben war.
Wir Kinder sollten ein rotes Papierherz ausschneiden, welches
später mit einem Lutscher beklebt werden sollte, dann mit einem
Wollfaden versehen und uns als Karnevalsorden dienen sollte.
Ich weiß nicht warum es auf einmal zusammen gefaltet war, auf
jeden Fall war dies das erste Mal, das ich mich für mich schämte
und wütend auf mich selber war - nicht so zu sein wie die anderen
Kinder. Ich wollte seit diesem Tag einfach in allem perfekt sein,
musste besser sein als alle anderen um von ihnen anerkannt
werden.
Mit meinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn eckte ich überall an.
Meine Ideen, Gedankengänge, Interessen, Phantasien wurden als
„Spinnerei“ abgetan, als kindliches Verhalten. So eignete ich mir
als Kindergartenkind eine Art Erwachsenenverhalten an.
Kinder wollten nicht mit mir spielen. Oft wurde ich
ausgeschlossen, da ich viel träumte und die Kinderwelt nicht
wirklich verstand. Die Erwachsenen wollten aber auch nichts mit
mir zu tun haben und so zog ich mich mehr und mehr in mich
zurück, verzweifelte, igelte mich ein und grübelte, was ich nur
verkehrt machte. Ich war doch schließlich an all dem Schuld.
Reden konnte ich mit keinem darüber. Versuchte ich mit meinen
Eltern darüber zu reden, dann „beruhigten“ sie mich mit den
Worten.
„Das stimmt nicht. Das musst du nicht so empfinden.“
Ich mauerte mich immer mehr ein. Niemand, noch nicht mal
meine Eltern, bestätigten mich in meinen Gefühlen. Also musste
das, was ich fühlte doch wieder verkehrt sein. Ich war Schuld das
ich so empfand und fühlte.
Ich denke, das es sich dann so verhielt, das ich mich „leben“ ließ,
einfach nur das tat, was andere von mir verlangten, denn ich
konnte mir meiner selbst nicht sicher sein.
Schließlich sagten mir meine Eltern und auch die anderen, das
mein Verhalten, meine Gefühle, mein „Ich“ völlig verkehrt sei.
Im Laufe der Grundschule „lernte“ ich und „trainierte, zwang“
mich, auf mein Gegenüber einzustellen und so zu sein, wie ich
glaubte das der andere mich akzeptieren würde.
Ich studierte die Gewohnheiten, Vorlieben, Interessen,
Abneigungen der Menschen, die in meinem Umfeld lebten.
Ich passte mich perfekt an. Litt still vor mich hin und spielte nach
außen hin das fröhliche Kind.
Ich spielte keine Streiche, war eine brave Tochter, Schülerin, die
nie Ärger machte, prügelte mich nie mit anderen Kindern. Steckte
die Schläge und Hänseleien anderer Kinder ein.
Ich war eine gute Schülerin, das lernen viel mir nicht schwer.
Schrieb gute Noten.
Ich hatte eine einzige Freundin während meiner gesamten
Schulzeit.
Ich fixierte mich auf sie. Wollte sein wie sie. Ich kopierte ihr
Verhalten, ihre Vorlieben. Ich wusste nicht wer ich selber war. Das
einzige was ich wusste war, das mein ICH unerwünscht war.
Wenn meine Freundin krank war, brach für mich eine Welt
zusammen. Ich musste alleine zur Schule gehen. Ich zog mich
dann in den Pausen auf das Mädchenklo zurück.
Mein Grundschullehrer förderte meine Interessen, lockte mich aus
meinem Schneckenhaus.
Einige wenige glückliche Momente.
Ich liebte es zu lesen und Aufsätze zu schreiben. Hier konnte ich
kreativ sein, meine Ideen fliegen zu lassen.
Immer maß ich meine Leistungen an den anderen. Ich MUSSTE
besser sein, perfekt sein, keine Fehler machen.
Wenn ich einen Fehler machte und korrigiert wurde, dann brach
für mich eine Welt zusammen. Ich fühlte mich als eine Versagerin,
unnütz und dumm.
Ich imitierte im Kunstunterricht die Bilder und Kunstwerke
meiner Freundin. Meine eigenen Ideen verwarf ich, denn diese
waren in meinen Augen minderwertig und würden wieder als
Spinnerei abgetan. Bestimmt würden dies auch die anderen so
sehen.
Mein ganzes Leben drehte sich darum.
Was denken die anderen?
Du musst dich anpassen.
Sei bloß nie du selbst.
Du musst perfekt sein.
Während der gesamten Schulzeit war ich unauffällig, machte mich
unsichtbar, mied andere Kinder. Ich entwickelte Strategien wie ich
in Unterrichtsfächern gute Noten bekommen konnte, obwohl ich
vieles in Frage stellte, nicht verstand, nicht folgen konnte und
mich nicht lange konzentrieren konnte.
Ich zog mich in meine Traumwelten zurück, wo ich sein konnte
wie ich war oder wie auch sein wollte. Dort war ich die Heldin.
Ein sehr „einschneidendes“ Erlebnis erlebte ich mit 8 oder 9
Jahren.
Ich weiß nicht mehr genau was der Grund war, aber in dieser Zeit
bemerkte ich, das ich zwischenzeitlich explodierte. Ich konnte die
Rollen die ich spielte nicht immer aufrecht erhalten und all das
was sich in mir aufgestaut hatte brach einfach aus mir heraus.
Es muss ein Streit mit meiner Mutter gewesen sein.
Ich hatte mich darauf gefreut an diesem Samstagabend „Wetten
das?“ zu schauen. Der Fernseher gab mir eine Sicherheit und ich
träumte mich in die jeweiligen Sendungen hinein, lebte bei den
Waltons, flog mit Biene Maja und Willi über die Blumen hinweg,
Heidi war meine beste Freundin und Pinnochio log doch nur
deshalb, weil er nicht er selbst sein durfte.
Meine Mutter bestrafte mich nach diesem Streit damit, das ich um
19Uhr 30 ins Bett gehen musste und nicht Fernsehen durfte.
Schließlich sei ich jetzt selber daran Schuld, habe ihr sehr weh
getan mit meinen Worten.
Ein braves Mädchen tut so etwas nicht und überhaupt, sie erkenne
mich nicht wieder und von wem ich dieses Verhalten habe?
Ich war so verzweifelt, wütend, enttäuscht von mir selber. ICH
hatte meiner Mutter Kummer zu gefügt, weil ich mich habe gehen
lassen. Weil mein ICH nicht länger eingesperrt sein wollte. Ich
hatte die Kontrolle über mich verloren. Ich hielt diesen Druck
nicht aus.
Im Schlafzimmer setzte ich mich auf die Fensterbank, was
verboten war. Meine Mutter wollte dieses nicht, denn : „Was
sollten denn die Nachbarn denken wenn ich am Fenster sitzen
würde?“
Immer war dieser Druck da: „Was sollen nur die anderen
denken?“
Die Devise lautete: ANPASSUNG um jeden Preis.
Die Vorhänge sehe ich noch heute vor mir. Hellblau mit
Wolkenmuster mit dunkelblauen und schwarzen Vögeln.
Ich nahm eine der Stecknadeln, welche darin steckten um der
Gardine den wohlgeordneten Sitz zu verleihen, und ritzte damit an
meinen Unterarmen herum. Immer fester, immer schneller, immer
tiefer.
Schließlich musste ich mich dafür bestrafen das ich anders war
und ungehorsam.
Ich fühlte eine Art Erleichterung und der innere Druck
verschwand.
Ich ging zu meiner Mutter, zeigte ihr meine Unterarme, fragte sie,
ob ich nun fernsehen schauen dürfe, da ich mich ja nun selber
bestraft hätte.
Ich weiß nicht was ich erwartet hatte, aber die Reaktion auf meine
Selbstbestrafung die nun folgte, konnte ich mir nicht erklären.
Meine Mutter sagte:
„Was ist das denn nun wieder für ein Blödsinn von dir.“
Sie verteilte eine Heilsalbe auf meinem Arm, ich durfte die
Sendung schauen und es wurde NIE wieder darüber auch nur ein
Wort verloren.
Wie immer wurden ernste persönliche Gefühle tot geschwiegen.
Als ich in die Pubertät kam, versuchte ich aufzubegehren.
Die wenigen Versuche scheiterten kläglich und ich hasste mich
selber. Warum war ich so anders? Ich machte meinen Eltern damit
Kummer. Ich litt still vor mich hin und schauspielerte ein
perfektes folgsames Kind und einen wohlerzogenen perfekten
Teenager.
Meine Begabungen lagen in den Fächern: Geschichte, Deutsch,
Religion, Sprachen.
Bei den Fachlehrern die nun die einzelnen Unterrichtsfächer
übernahmen, begannen sich bei mir Blockaden aufzubauen. Alles
war mir zu laut, zu schnell. Ich war erschrocken und auch auf eine
gewisse Weise erstaunt und überrascht, das der Lehrkörper von
den anderen Kindern respektlos behandelt wurde und sie sich
trauten den Unterricht zu stören. Ich „schummelte“ mich mit
Strategien durch meine Schulzeit und auch in den Fächern, in
denen ich massive Probleme hatte, bekam ich recht gute Noten.
Meine Freundin half mir durch Klassenarbeiten, indem ich ein
System ausgeklügelte hatte, in dem ich ohne aufzufallen
abschreiben konnte.
Im Grunde war sie meine Stütze und ich belegte die
Unterrichtsfächer, welche sie auch belegte, obwohl sie mich nicht
interessierten und ich lieber andere Kurse besucht hätte. Doch die
Versagensangst wuchs ins Unermessliche.
Der Schulabschluss rückte näher, meine Freundin entschied sich
das Abitur zu machen und wollte danach Jura studieren.
Ja, und was mache ich?
Wer bin ich eigentlich? Was sollte ich mit meinem Leben
anfangen?
Ich hatte keine Ahnung.
Meine Eltern entschieden dann wieder für mich, was ich tun sollte.
Wie gesagt, ich ließ mich leben.
Ich begann eine Lehre als Einzelhandelskauffrau und war
kreuzunglücklich. Ich eckte nur an, mein Vorgesetzter war ein
cholerischer ungerechter Mensch der mich und andere
strangsalierte.
„Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“ Sagten meine Eltern. Also
Augen zu, anpassen, den untersten Weg gehen und die Ausbildung
beenden.
Ich hielt durch, litt und bekam Probleme da ich mich kaum
konzentrieren konnte, eigene Ideen hatte und bei
Ungerechtigkeiten anfangs noch aufbegehrte.
Dieses stupide arbeiten, lähmte mich. Ich machte Fehler, eckte nur
an und wurde innerlich aggressiver.
Ich blieb nach meiner Ausbildung noch weitere 3 Jahre in dem
Geschäft.
Was sollte ich denn auch anderes tun? Ich wusste nicht wer ich
war, was ich wollte.
Diese Unentschlossenheit zog sich wie ein roter Faden durch mein
gesamtes Leben.
Mit meinen Arbeitskollegen gab ich es auf zu reden. Sie hielten
mich für verrückt. Eine Querulantin. Verbesserungen und eigene
Ideen, Gedankensprünge die ich äußerte, brachten mir schnell den
Ruf als Besserwisserin ein, also blieb ich still und tat nur das was
verlangt wurde.
Schon in der Schule stellte ich mein Licht unter den Scheffel.
„Sei immer still und bescheiden, dann mag dich jeder leiden!“
Auch dieser Satz war wie ein Dogma für mich.
Irgendwie rutschte immer mehr in die Kaufsucht.
Sucht, ja ich habe gesucht.
Ich kaufte und kaufte und denke darin habe ich
Selbstentscheidung gesucht? Belohnung? Stimulation? Ich weiß es
nicht.
Ein Arbeitskollege erzählte mir von einem total sicheren System
um viel Geld zu verdienen. Er nahm mich mit.
Es war ein Glücksspiel. Das sogenannte Schneeballsystem.
Hier erklärte man mir, das, wenn ich einige Freunde mitbringen
würde, die auch Geld einbezahlen, in kürzester Zeit sehr viel Geld
verdienen könnte.
Das fand ich genial.
Genug Geld zu haben, kaufen zu können und vor allem endlich
nicht mehr in diesem Geschäft arbeiten zu müssen.
Kein Gedanke was ich dann machen sollte und wollte, Hauptsache
nie wieder dort hin gehen zu müssen.
Es kam wie es kam. Natürlich wollte keiner von meinen
Bekannten, Freunde hatte ich nicht, dort einsteigen. Einige
warnten mich aber ich wollte nicht hören. Letztendlich bezahlte
ich die Gelder die ich „bringen“ musste von meinem Geld,
plünderte mein weniges Erspartes und rutschte immer tiefer dort
hinein.
Letztendlich veruntreute ich Geld in dem Betrieb wo ich arbeitete
und es kam heraus.
Meine Eltern „lösten“ mich quasi aus, ich wurde entlassen und
wollte nur noch sterben.
Was sollte ich auch auf dieser Welt? Ich war doch nur eine Hülle
und schlüpfte in verschieden Rollen. Ein MICH oder ICH gab es
doch nie.
Ich ließ mich weiter leben, meine Mutter begleitete mich zum
Arbeitsamt. Mittlerweile war ich 23!!!! Jahre alt und klammerte
mich immer noch an Mamas Rockzipfel.
Ich hatte keinerlei Lebensqualität, war immer eine Einzelgängerin.
Mein ganzes Leben war ich allein.
Ich traf einen Bekannten aus Kindertagen, der mir erzählte das er
Zivi in einem Altenheim sei und bald die Ausbildung zum
Altenpfleger beginnen würde.
Ich unterhielt mich lange mit ihm darüber und mir gefiel das, was
er berichtete.
Ich vereinbarte ein Praktikum mit der Heimleitung und schon nach
dem ersten Tag wollte ich diesen Beruf erlernen und ausführen.
Ich begann die Ausbildung, fühlte mich zum ersten Mal in
meinem Leben wohl und freute mich auf meine Zukunft. Natürlich
mussten meine Noten und die Ergebnisse perfekt ausfallen. Ich
würde allen damit zeigen, das ich „normal“ bin.
Die Beziehung zu anderen Menschen waren mir ein Graus. Ich
konnte es nicht ertragen berührt zu werden oder andere zu
berühren. Andererseits sehnte ich mich nach einem Menschen, der
MICH liebte. Aber wer oder was war MICH?
Das erste Mal verliebte ich mich mit 17 Jahren. Die Beziehung
hielt 2 Jahre, ich gab mich weiterhin auf, spielte meinem Freund
die Freundin vor, von der ich glaubte das er diese haben wollte.
Schließlich beendete er die Beziehung da ich in seinen Augen nur
eine Einzelhandelskauffrau war und er gerade seine Ausbildung
bei einer Krankenkasse begonnen hatte und auf sein Prestige nun
mehr achten müsse.
Erneut fühlte ich mich wertlos, nutzlos, nicht perfekt!
Zwischenzeitlich hatte ich kurze Affären, nie etwas ernstes und
zweifelte immer wieder an mir. Ich stellte mich absichtlich dumm,
passte mich an, machte mich kleiner als ich war, nur um endlich
anerkannt zu werden.
In der Ausbildung zur Altenpflegerin lernte ich einen Mitschüler
näher kennen und wir wurden ein Paar.
Diese Beziehung dauerte ca. 4 Jahre. Durch ihn kam ich mit
Alkohol, Nikotin und THC in Kontakt.
Alkohol war nicht mein Fall. Ich begann zu rauchen. 2 Packungen
am Tag. Es entspannte mich.
Schließlich kiffte ich und bemerkte das damit meine Gedanken
abgeschaltet wurden, ein angenehmes Gefühl. Ich fühlte mich
leicht und frei und konnte mich betäuben.
Nach 2 Jahren veränderte ich mich, wurde immer unzufriedener,
aggressiver.
Die Beziehung endete, da er fremd ging, mich schlug und nur
noch beschimpfte.
Mit 28 Jahren floh ich wieder zu meinen Eltern zurück. Wieder
war ich in meinen Augen nutzlos, eine Versagerin, wertlos.
Ich denke, meine Eltern waren eine Art Krücke, eine Gehhilfe für
mich. Nach ihrem Leitfaden richtete ich mich um zu überleben.
In dem Seniorenheim, in dem ich nun arbeitete eckte ich, nach
kurzer Zeit wieder an. Das schlimmste für mich war die
unmenschliche Behandlung gegenüber der alten Menschen.
Ich äußerte meine Meinung, wollte Veränderungen einführen.
Wollte Gerechtigkeit, Harmonie und Frieden.
Was folgte war Mobbing.
Das Chaos in meinem Kopf wollte sich trotz Strategien nicht
ordnen lassen.
Ich konnte mich bemühen so sehr wie ich auch wollte, mir entglitt
alles. Ich konnte einfach mein Leben nicht strukturieren.
Nie hatte ich eine Lebensqualität. Ich verbot sie mir mittlerweile
auch. Dachte ich habe sie nicht verdient, da es mir nicht gelang
sie dauerhaft zu erreichen.
Ich verlor mich ständig in meinen Tagträumen, verstand nicht was
mit mir nicht stimmte. Warum gelangen anderen Menschen die
Dinge, wofür ich hart kämpfen musste, und mir nicht?
Es gelang mir eine Zeitlang unter größtem Kraftaufwand „normal“
zu sein, bis ich erschöpft war. Ich war dann dermaßen erschöpft,
das mir gar nichts mehr gelang.
Ich fiel in ein tiefes Loch, fühlte mich schuldig, wertlos . Nichts
war von Dauer!
Himmelhochjauchzend-dann folgte wieder zu Tode betrübt.
In Gesellschaft hatte ich Probleme den Gesprächen zu folgen.
Richtete ein einzelner das Wort an mich, konnte ich nur für kurze
Zeit ihm meine Aufmerksamkeit schenken, denn immer wieder
wurde ich durch Nebenquellen abgelenkt.
Meistens verstanden mich andere Menschen nicht. Meine
Gedankensprünge waren zu bizarr, meine Gesprächsthemen zu
tiefsinnig, meine Interessen zu abstrakt.
Also folgte daraufhin das ich sehr wenige soziale Kontakte hatte
und wenn, dann nur oberflächlich.
Ich hatte das Gefühl nie Zeit zu haben. Alles dauerte mir zu lange.
Gespräche dauerten mir zu lange und ich versuchte sie
abzukürzen, indem ich mein gegenüber das Wort abschnitt oder
auch seine Sätze beendete.
Die Reaktionen, die auf dieses Verhalten logischerweise folgten,
verstand ich nicht.
Ich fühlte mich ungerecht behandelt, versuchte zu erklären, hatte
aber keinerlei Zugriff auf die Worte, die mir und dem anderen
erklären konnten, weshalb ich so handelte.
1 Jahr später lernte ich meinen jetzigen Mann kennen.
Nach nur kurzer Zeit wussten wir, das wir zusammen gehören.
Wir verstanden uns auf Anhieb.
Sehr schnell wollten wir Kind.
Ich war hin und her gerissen. Auf der einen Seite war ich
mittlerweile 30 Jahre alt und wollte endlich eine Familie gründen.
Auf der anderen Seite war eine große Unsicherheit. Würde ich das
überhaupt schaffen?
Ich schob meine negativen Gedanken beiseite und malte mir wie
immer eine Traumwelt aus.
Während der Schwangerschaft ließ ich mich wie immer leben.
Meine Eltern und mein Mann planten, organisierten und um
hegten mich.
Ich bewunderte meinen Mann. Er hatte all das was ich immer
haben wollte, wie ich sein wollte. Ich lebte in seinem Fahrwasser
und hängte mich einfach bei ihm an. Versuchte ihn zu imitieren.
Die Geburt rückte näher und ich konnte keine Entscheidungen
treffen. Ich hasste meinen Körper, ich hasste die Schwangerschaft,
ich hasste meine Arbeit und am meisten hasste ich mich selber.
Wieder wurde mir bewusst das etwas mit mir nicht stimmen
musste.
Ich spürte nicht, wie mir immer berichtet wurde das es eine schöne
Zeit war. Ich spürte meinen Körper nicht, ich spürte meine
Muttergefühle nicht.
Was machte ich denn nun schon wieder falsch?
Die Geburt war das schrecklichste was ich je erfahren hatte.
Die Schmerzen, Angst wieder zu versagen. Ich versuchte eine
perfekt Gebärende zu spielen, was furchtbar misslang.
Nach der Geburt wusste ich das ich sterben würde.
Ich sah meinen Mann und meine Mutter, die bei unserer Tochter
waren und sie auf den Armen hielten.
Ich fühlte mich so, als ob sie nur auf das Baby gewartet hätten und
ich war Nebensache.
Die Plazenta war mit der Gebärmutter verwachsen. Ich verlor sehr
viel Blut und wurde im Kreissaal noch Not operiert.
Die Narkosemittel wirkten nicht, ich war bei Bewusstsein, konnte
mich aber nicht verständlich machen.
Ich erlitt ein Trauma.
Ganz verlor ich den Lebensmut als mir Krankenschwestern, Ärzte,
Bekannte und Verwandte sagten:
„Na, Sie/du hast uns aber einen Schrecken eingejagt/Kummer
gemacht!“
Da war es wieder mein Versagen, meine Schuld.
Ich konnte noch nicht einmal ein Kind auf „normale“ Weise zur
Welt bringen, das war doch schließlich etwas, das jede Frau tat.
Allen hatte ich Kummer bereitet, einen Schrecken eingejagt.
Wie unfähig war ich eigentlich?
Als ich mit unserer Tochter daheim war, hatte ich keine Ahnung
wie ich mich ihr nähern sollte, sie versorgen sollte. Ich fühlte mich
überfordert, versuchte nach außen hin die liebende überglückliche
Mutter zu spielen.
Depressionen, Suizidgedanken, Selbstverletzungen, Aggressionen
nahmen nun stetig zu.
Ich gab meine Arbeitsstelle auf, da ich nicht mehr in der Lage war
Berührungen zu ertragen, die Ungerechtigkeiten länger hin zu
nehmen. Ich merkte wie ich immer aggressiver den Bewohnern
gegenüber wurde. Das ganze Konstrukt meiner strategischen
Rollenspiele brach zusammen.
Ich begab mich in therapeutische Behandlung.
Antitrauma Therapie, Verhaltenstherapien, Tiefentherapien.
Um ehrlich zu sein, auch hier spielte ich den Therapeuten eine
Rolle vor. Nur selten öffnete ich mich für einen ganz winzigen
Moment.
Nach und nach wurden Diagnosen gestellt:
manisch-depressiv
bipolare Störungen
Borderline
Ich nahm Antidepressiva, machte Therapien aber nichts half.
Damit bestätigte ich mir nur noch mehr meine ganzen
Selbstzweifel.
Die letzten 9 Jahre meines Lebens begleiteten mich ständige
Impulskontrollverluste, wo ich meinen Mann und meine Kinder
anschrie.
Ich war überfordert, hatte keinerlei Struktur. Der Haushalt war für
mich kaum zu bewältigen. Ich riss mich zusammen, einige Tage
funktionierte dieses auch, ich war dann manisch und begeistert
dachte ich: „Siehst du, du hast es endlich geschafft!“
Der Sturz aus diesen Höhen war immer wieder die Hölle.
Da ich während meiner ersten Schwangerschaft mit dem rauchen
aufgehört hatte und keinen Alkohol mochte, stopfte ich nun
hemmungslos Nahrungsmittel in mich hinein.
Ich hatte keinerlei Körpergefühl, spürte meinen Körper nicht,
spürte mich nicht.
Verzweifelt versuchte ich wieder jemand zu sein, der ich nicht bin.
Imitierte und schauspielerte.
Ich konnte die Berührungen meines Mannes und meiner Kinder
nicht ertragen.
Die Beziehung zu meinem Mann litt, die Beziehung zu meinen
Kindern ebenso.
So sehr ich mich auch um eine dauerhafte Veränderung bemühte,
es gelang mir einfach nicht.
Das schlimmste für mich war, das ich meinen Mann und meine
Kinder verletzte, ihnen weh tat und ich es einfach nicht steuern
konnte.
Alles war wie in einem grauen Nebel, meine Bewegungen, meine
Gedanken, meine Gefühle. Es war zähflüssig., verflüchtigte sich.
Durch meinem Mann und meine Kinder setzte ich mich mit dem
Thema ADS/ADHS auseinander.
Nie wäre ich auf den Gedanken gekommen, das auch ich ADS
haben könnte.
Die Symptome passten, aber da ja Borderline, Depressionen,
Bipolare und Persönlichkeitsstörungen bei mir diagnostiziert
waren, fand ich mich damit ab.
Die Antidepressiva wirkten immer nur ein wenig in der
Anfangszeit dann wurde es um so schlimmer.
Die Antwort einer Neurologin /Psychiaterin geht mir nicht aus
dem Sinn. Ich versuchte ihr mein Chaos im Kopf zu schildern,
meine Unstrukturiertheit, meine Impulskontrollverluste, meine
Inkonsequenz, meine vergeblichen Versuche etwas daran zu
ändern. Das ich es einfach nicht mehr schaffte mich anzupassen.
Sie sagte darauf:
„Gehen Sie mal arbeiten!“
Vor 3 Wochen war ich an dem tiefsten Punkt meines „Lebens“
(dahinvegetieren würde es besser beschreiben) angelangt.
Es herrschten nur Vorwürfe. Meine Kinder litten. Weinten viel.
Kamen mit mir nicht zurecht. Wie denn auch? Mal war ich die
liebe schmusige Mutter, dann herrschte ich sie wieder an und
„biss“ sie ab. Distanz und Nähe spielten Ping Pong.
Ähnlich war es in der Beziehung zu meinem Mann.
Keinerlei Lebensqualität. Weder für mich noch für meine Kinder
und meinen Mann.

 

Nach Gesprächen und Testungen bekam ich zum ersten Mal Medikinet von Ihnen verschrieben. Zu Hause nahm ich das Medikament ein und nach 30 Minuten öffnete sich für mich eine Käfigtür.


Ich war frei.
Ich lebte, ich fühlte, ich spürte, ich schmeckte, ich sah.
Es war überwältigend.


Noch nie in meinen 38 Jahren auf dieser Welt hatte ich mich
wahrgenommen. Aber nun, fühlte ich mich geboren.
Mein Mann und meine Kinder wunderten sich und fragten was los
sei mit mir.


Ich weinte, weinte vor Glück aber auch vor Trauer.
Endlich kam ich an die Bereiche in mir heran, die ich nie
erreichen konnte und dies machte mir möglich über mich zu
reden. Konnte über meine Gefühle reden. Konnte träumen, offen
und frei träumen. War strukturiert, ließ mich nicht ablenken.
Ich konnte mich das erste mal in meinem Leben konzentrieren.
Keinerlei Impulskontrollverluste. Keine Gedankensprünge.
Der 25. Juni 2012 war sozusagen meine Geburt.


Ich fühlte mich zum ersten Mal in meinem Leben von einem Arzt,
und Ihrer Studentin ernst genommen und verstanden.


Mit der Einnahme von Medikinet ist es so, das ich meinen Körper
fühle, ich spüre es wenn ich mir die Zähne putze, mich dusche.
Meine Bewegungen gehören zu meinem Körper, sie sind weich.


Ich fühle eine Entspannung in mir. Ich kann mich konzentrieren,
mich meinen Kindern widmen. Ich habe Zeit. Keinen Druck mehr.
Ich entdecke mich. Endlich gibt es ein ICH. Kein strategisches
Rollenspiel ist mehr nötig. Ich kann endlich sein.
Ich ruhe in mir.
Es ist kein quälendes DENKEN mehr nötig, ich strukturiere,
plane, organisiere. Kann Ablenkungsquellen weg blenden. Fahre
nun endlich gerne Auto.
Es ist wunderschön meine Kinder zu erleben. Sie sind völlig
entspannt. Ich kann sie in die Arme nehmen, mit ihnen schmusen,
spielen, Zeit für sie haben. Selbst Stress Situationen kann ich nun
endlich überschauen und bleibe gelassen. Keine
Impulskontrollverluste mehr.
Auch habe ich noch nie in meinem Leben so tief und entspannt
geschlafen.
Ich fühle mich erholt, kraftvoll und habe endlich ein Leben, eine
Lebensqualität.
Mit Kritik gehe ich sachlich um und nehme sie nicht mehr
persönlich.
Ich möchte nun zum Ende kommen. Es hat mich sehr erschreckt
zu lesen und nochmals zu durchleben wie mein Leben bis dato
verlaufen ist.
38 Jahre voller Missverständnisse, Qual, Zweifel, Angst. Voller
Verletzungen, Selbstzweifel, Bestrafungen, Wut und Hass auf
mich selbst.
38 Jahre strategisches Rollenspiel.
Dank Ihnen und dem Medikament Medikinet kann ich endlich
durch MEIN LEBEN gehen und ende mit den Worten, welche
nicht aus meiner Feder stammen sondern von einer Frau mit ADS
nach ihrer ersten Medikamenteneinnahme.
Es ist wie eine Ritze im Gemäuer, ein Lichtstrahl findet seinen
Weg. Ich fühle wie jede Faser in mir auskosten will, jegliche
Regung notiert. Sich meine Worte nicht mehr überschlagen. Ich
bin Zeugin eines Naturschauspiels, beglückender kenne ich es
nicht.
Mein Herz jubelt und ich darf mir ruhig zusehen und mir bewusst
machen, es handelt sich nicht um eine einmalige, wunderbare
Erscheinung, sondern lerne staunend eine Kreativität und
Koordination kennen, die sich so belebend anfühlt.
Genauso fühle ich mich und weiß gar nicht wie ich Ihnen danken
kann.
Sie haben mir geholfen mein ICH leben zu können. Meinen Mann
und meine Kinder erleben zu können.
Meiner Familie haben Sie geholfen, das ich endlich bei ihnen sein
kann. Endlich mit ihnen leben kann.
Eine Frau, eine Mutter und ein eigenes ICH sagen recht herzlichen
Dank.

N.G.

06.07.2012

Weiter
to Top of Page