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 Fragebögen zum Thema Erwachsenen ADHS.

http://ads-bei-erwachsenen.de/adstest.php

http://www.adhs-studien.info/adhs_selbsttest.html

http://psychcentral.com/addquiz.htm

http://www.pi.uni-tuebingen.de/psychotherapeutische-ambulanz/angebote-fuer-erwachsene/adhs-im-erwachsenenalter/studienablauf/selbsttest-und-einschlussfragebogen.html

http://neuy-bartmann.de/media/PDF/ads_fragebogen_erwachsene.pdf

http://www.selbsthilfegruppe-wunderkind.de/ads,selbsttest-ads-erwachsene,86.html


ADHS Fragebogen nach Wender


Link:  ADHS und Sucht 2009


Novellierung der
Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtmVV) im Bundeskabinett
verabschiedet, der damit einhergehende Entwurf zur Veränderung der
Richtlinien zur Substitutionsbehandlung der Bundesärztekammer vorgelegt!



Der Beschluss des Bundeskabinetts zur Novellierung der BtmVV ist als
Zäsur anzusehen und bedeutet einen Paradigmenwechsel hin zu einer Abkehr
vom Abstinenzdogma!  So gibt nun die Politik endlich der Forderung nach, dass die
Behandlung von Abhängigkeitserkrankten den wissenschaftlichen
evidenzbasierten Erkenntnissen und auch „den praktischen Erfahrungen“
folgen muss! Damit wird endlich anerkannt, dass die Verordnung von
Substitutionsmedikamenten die Methode der Wahl von
Opioidabhängigkeitserkrankten ist und auch Leben rettet. So heißt es in
der Präambel der Verordnung der Bundesregierung:

"Die ärztliche Behandlung mit Substitutionsmitteln von Patientinnen und
Patienten,  ..... hat sich zu einer wissenschaftlich allgemein
anerkannten, evidenzbasierten Behandlungsmethode als Regelleistung
weiterentwickelt."  ... Deshalb sollen mit der Verordnung die Vorgaben
des Substitutionsrechts in der BtmVV an Erkenntnisse des
wissenschaftlichen Fortschritts und an praktische Erfahrungen angepasst
werden."

Entscheidend ist jedoch, dass nun endlich die lange von Seiten der DGS
geforderte Trennung von medizinischer Behandlung und möglichen
strafrechtlichen Konsequenzen dadurch erfolgt, dass bislang  die bisher
in der BtmVV geregelten Punkte nun in die Richtlinienkompetenz der
Bundesärztekammer überführt werden. Somit ist nun der entscheidende
Schritt getan, um zu einer Verbesserung und Erleichterung der Arbeit von
Suchtmedizinern zu gelangen und vor allem eine Entkriminalisierung der im
suchtmedizinischen Bereich tätigen Ärztinnen und Ärzte zu erreichen.


Das Abstinenzparadigma wird insoweit relativiert, als dass zwar weiterhin
eine Opiodabstinenz als leitendes Element der Substitutionstherapie
beschrieben ist, aber nur noch von einem Anstreben dieses Ziels die Rede
ist. Das zu erreichende Hauptziel besteht jetzt in der Erreichung einer
Abstinenz von dem Konsum von illegal erworbenen  Opioiden, also nicht
mehr in einer  gänzliche Abstinenz auch von verordneten Opioiden. Dieses
bedeutet eine Anpassung an die Realität und bedeutet im Kern auch eine
Abkehr vom Abstinenzparadigma in seiner Ausschließlichkeit. Der
behandelnde Arzt muss sich zukünftig nicht mehr dafür rechtfertigen und
befürchten strafrechtlich belangt zu werden, wenn er über längere Zeit
weiterhin das Substitutionsmedikament verschreibt und dem Vorwurf
ausgesetzt wird, es noch immer nicht geschafft zu haben den Patienten in
die vollständige Abstinenz zu überführen.

Es besteht nun die Möglichkeit der Verschreibung des
Substitutionsmedikamentes auch für 30 Tage im Inland und nicht nur bei
Auslandsaufenthalten. Das retardierte Substitutionsmedikament Substitol
wird nun als gleichwertiges Substitutionsmedikament anerkannt und nicht
mehr in Frage gestellt:

„Zur Substitution dürfen nur die in § 2 BtMVV genannten
Substitutionsmittel eingesetzt werden. Diese haben unterschiedliche
Wirkungs- und Nebenwirkungsprofile, die zu beachten und unter
Berücksichtigung der individuellen Patientensituation in ein umfassendes
Therapiekonzept einzupassen sind. Bei gleichwertigen Substitutionsmitteln
soll die Patientenpräferenz Berücksichtigung finden, da hierdurch die
Behandlungsadhärenz verbessert werden kann.“


Die Entscheidung darüber, ob eine Psychosoziale
Betreuung (PSB) zu erfolgen hat bzw. ob diese überhaupt sinnvoll ist,
ist nach den vorgelegten Richtlinien der Bundesärztekammer nun in das
Ermessen des behandelnden substituierenden Arztes gestellt. Damit wird
die  bürokratische Hürde der Vorlage einer entsprechenden
PSB-Bescheinigung zukünftig entfallen. Bisher musste sich behandelnde
Arzt unter der Androhung, dass er sonst seine suchtmedizinische
Behandlung nicht bezahlt bekomme,  darum kümmern. Weiterhin sollte der
substituierte Patient sinnvollerweise auf die ggf. vorhandene
Notwendigkeit einer Psychosozialen Betreuung hingewiesen werden:

„. Eine psychosoziale Betreuung soll dem Patienten regelhaft empfohlen
werden“.
„Auswahl, Art und Umfang der Maßnahmen richten sich nach der
individuellen Situation und dem Krankheitsverlauf des Patienten.“
„Psychosoziale Betreuung sowie weitere ärztliche und
psychotherapeutische Behandlungen sollen vom substituierenden Arzt
koordiniert werden“.


„Bevor eine Behandlung gegen den Willen des Patienten beendet wird,
sollten andere Interventionsmöglichkeiten ausgeschöpft worden sein.
Hierzu gehören insbesondere Optimierungen des Therapiekonzeptes, z. B.
durch Dosisanpassungen oder Einbezug einer psychosozialen Betreuung,
sowie Versuche eines Wechsels des Patienten in ein anderes ambulantes
oder stationäres Therapieangebot.“
Weiterhin strafbar bleibt die Mitgabe von Substitutionsmedikamenten aus
der Praxis heraus!



In manchen Regionen Deutschlands gibt es gar keine substituierenden Ärzte
mehr! Des Weiteren erweist es sich als ausgesprochen schwierig,
Nachfolger für eine Substitutionspraxis zu finden, eine Überalterung
der Ärzteschaft in diesem Bereich besteht. Auch deshalb müssen die
Vorgaben des  Gemeinsamen Bundesausschuss ( GBA ) nun schnellstmöglich
an die Vorgaben der Novellierung der BtmVV und insbesondere der
Richtlinien der Bundesärztekammer angepasst werden. Die substituierenden
Ärzte sind in ihrer Tätigkeit an die Vorgaben der GBA gebunden. Derzeit
werden die substituierenden Ärzte durch die ausgesprochen restriktiven
Vorgaben des GBA, in ihrer fachärztlichen suchtmedizinischen Tätigkeit
behindert!

Verabschiedung der BtmVV im Bundesrat, wo kein Widerstand zu erwarten ist.
Der gemeinsame Bundesausschuss ist vor der Verabschiedung der Richtlinien
der Bundesärztekammer zu hören. Die Stellungnahme des GBA ist in die
Richtlinien der Bundesärztekammer einzubeziehen!
Die Richtlinien der Bundesärztekammer müssen dem Gesundheitsministerium
zur Genehmigung vorgelegt werden!

Medikation bei Erwachsenen mit ADHS wirksamer als Gruppentherapie

Bei erwachsenen ADHS-Patienten ist eine medikamentöse Therapie einer psychologischen Behandlung vorzuziehen. Wie Forscher der Universität Freiburg in " JAMA Psychiatry" berichten, ist eine Medikation mit Methylphenidat einer Gruppentherapie überlegen.

In der weltweit größten Studie, die an sieben deutschen Universitätskliniken gleichzeitig durchgeführt wurde, wurde bei 419 erwachsenen ADHS-Patienten untersucht, ob eine zwölfmonatige spezifische Gruppenpsychotherapie mit insgesamt 22 Sitzungen bessere Ergebnisse erbringt, wenn sie mit einer Methylphenidat-Medikation kombiniert wird. Zum Wirksamkeitsvergleich der Gruppenpsychotherapie diente die Behandlung mit 22 unterstützenden Einzelgesprächen, die nicht spezifisch auf die ADHS-Krankheit gerichtet waren.

Es zeigte sich, dass eine Methylphenidat-Medikation einer ADHS-Gruppentherapie überlegen war. Entgegen der Hypothese wurde die Wirkung der Medikation auch nicht durch eine zusätzliche Gruppenpsychotherapie verbessert, erklärt Erstautorin Alexandra Philipsen. Der hohe Stellenwert der Medikation zeigte sich auch, wenn man die supportive Einzelgesprächstherapie mit Methylphenidat kombinierte.


Kinder mit ADHS neigen zum Binge Eating

Essstörungen in Form des sogenannten Binge Eatings treten bei Kindern mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) deutlich häufiger auf als im Normalfall. Das hat eine Studie von US-Wissenschaftlern ergeben, die im "International Journal of Eating Disorders" erschienen ist.

Die Forscher der Johns Hopkins University in Baltimore (Maryland) unterzogen 79 Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren detaillierten Untersuchungen und Befragungen, bei denen das Vorliegen von ADHS und von Kontrollverlust über das Essverhalten (bei Erwachsenen als Binge Eating bekannt) erhoben sowie mit neuropsychologischen Tests das Ausmaß der Impulsivität gemessen wurde.

Dabei stellte das Team um Shauna Reinblatt fest, dass Kinder mit ADHS verglichen mit Kindern ohne die Störung zwölf Mal häufiger unter Binge Eating litten. Übergewichtige Kinder mit Kontrollverlust über das Essverhalten wiederum hatten ein siebenfaches Risiko für ADHS im Vergleich zu übergewichtigen Kindern ohne gestörtes Essverhalten.

Eine verbindende Rolle scheint die Impulsivität zu spielen. Unabhängig von der ADHS-Diagnose zeigte sich, dass mit stufenweisem Anstieg der Impulsivität auch die Wahrscheinlichkeit für Binge Eating zunahm. Ob das impulsive Verhalten die Hauptursache für die Korrelation darstellt oder es andere zugrunde liegende Risikofaktoren - etwa in den Genen - gibt, müssten weitere Studien klären, sagte Reinblatt. Bei Screenings nach ADHS sollten Kinder aber in jedem Fall auch auf gestörtes Essverhalten untersucht werden, forderte sie.

Wichtiger Mechanismus für ADHS entdeckt
14.04.2015

Verstärktes Hintergrundrauschen in der Netzhaut könnte eine Folgeerscheinung für das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) sein. Für Wissenschaftler der Universität Freiburg ist dieser Mechanismus der reizunabhängigen Aktivität von Nervenzellen maßgeblich bei einer Aufmerksamkeitsstörung. Erstautor Emanuel Bubl veröffentlichte die Studie in "PLOS One".

Unter der Leitung von Ludger Elst und Michael Bach untersuchten die Forscher mit einem Schachbrett-Muster-Elektroretinogramm je 20 erwachsene Probanden mit und ohne ADHS. Bei den Testpersonen mit ADHS war das Rauschen verstärkt. "Durch die Verwendung einer so gängigen Methode wie dem Muster-ERG wäre es recht einfach, sie auch bei ADHS in der Diagnose und therapiebegleitend einzusetzen", sagte Bach.

"Die Ergebnisse stützen unsere Annahme, dass das Hintergrundrauschen der pathophysiologische Mechanismus ist, der dem ADHS zugrunde liegt", betonte Tebartz van Elst. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass dieses Rauschen bei Dopaminmangel in den Gehirnzellen verstärkt ist - ebenfalls ein Befund bei ADHS. Sollte sich zeigen, dass diese Aktivitätsveränderungen für ADHS spezifisch sind, könnten die Erkenntnisse in der Therapie eingesetzt werden. Bubl erklärte, es wäre das erste Mal, dass durch ein physiologisches Signal ADHS objektiv gemessen werden kann.



Lancet Studie März 2015
Erhöhte Mortalität bei ADHS Patienten

ADHS ist eine psychische Störung, die mit erhöhter Mortalität verbunden sein kann: eine Studie unter dänischen Individue.

ADHS bei Erwachsenen mit höheren Mortalitätsraten assoziiert als bei Kindern und Jugendlichen

Hintergrund

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine häufige psychische Störung, die mit Faktoren assoziiert ist, die die Mortalität erhöhen könnten, wie oppositionelles Trotzverhalten oder Verhaltensstörung, Kriminalität, Unfälle und Substanzmissbrauch. Ob ADHS selbst mit erhöhter Mortalität assoziiert ist, bleibt unbekannt. Unser Ziel bestand darin, die Mortalität im Zusammenhang mit ADHS in einer großen Kohorte von dänischen Individuen zu untersuchen.

Methoden

Unter Verwendung von staatlichen Verzeichnissen in Dänemark verfolgten wir 1,92 Millionen Individuen, einschließlich 32.061 mit ADHS, ab ihrem ersten Geburtstag bis 2013. Wir schätzten die Mortalitätsratenverhältnisse (MMRs), angepasst für Kalenderjahr, Alter, Geschlecht, Familiengeschichte von psychiatrischen Erkrankungen, Alter der Mutter und des Vaters sowie Bildungs- und Beschäftigungsstatus, mittels Poisson-Regression für einen Vergleich von Individuen mit und ohne ADHS.

Ergebnisse

Während der Nachbeobachtung (24,9 Millionen Personen-Jahre) starben 5.580 Kohorten-Mitglieder. Die Mortalitätsrate pro 10.000 Personen-Jahre betrug 5,85 unter Individuen mit ADHS im Vergleich zu 2,21 bei Individuen ohne ADHS (was einem vollständig angepassten MMR von 2,07 entspricht, 95%-KI 1,70–2,50; p<0,0001). Unfälle waren die häufigste Todesursache. Im Vergleich zu Individuen ohne ADHS betrug das vollständig angepasste MMR für Individuen mit einer Diagnose von ADHS im Alter unter 6 Jahren 1,86 (95%-KI 0,93–3,27), 1,58 (1,21–2,03) bei einer Diagnose im Alter von 6–17 Jahren und 4,25 (3,05–5,78) bei einer Diagnose im Alter von 18 Jahren und älter. Nach Ausschluss von Individuen mit oppositionellem Trotzverhalten, Verhaltensstörung und Substanzmissbrauchsstörung war ADHS weiterhin mit erhöhter Mortalität assoziiert (vollständig angepasstes MMR 1,50, 1,11–1,98) und war bei Mädchen und Frauen höher (2,85, 1,56–4,71) als bei Jungen und Männern (1,27, 0,89–1,76).

Interpretation

ADHS war mit einer signifikanten Erhöhung der Mortalitätsraten assoziiert. Im Erwachsenenalter mit ADHS diagnostizierte Personen hatten ein höheres MMR als Personen mit einer Diagnose im Kindheits- oder Jugendalter. Durch komorbides oppositionelles Trotzverhalten, Verhaltensstörung und Substanzmissbrauchsstörung wurde das MMR noch weiter erhöht. Bei Anpassung für diese Komorbiditäten war ADHS weiterhin mit übermäßiger Mortalität assoziiert, mit höheren MMRs bei Mädchen und Frauen mit ADHS als bei Jungen und Männern mit ADHS. Die übermäßige Mortalität bei ADHS war hauptsächlich auf Tod aus nicht natürlichen Ursachen zurückzuführen, insbesondere Unfälle.





Ritalin jetzt auch für Erwachsene 2014
 


Die Firma Novartis hat seit Juni 2014 eine nationale Zulassung für ein Methylphenidat-haltiges Arzneimittel für Erwachsene erhalten. Das Präparat Ritalin ® adult ist für ADHS-Patienten ab 18 Jahren vorgesehen, auch um einen Übergang der Therapie von Kindern und Jugendlichen ins Erwachsenenalter zu gewährleisten. Das Sympathomimetikum Methylphenidat liegt darin in retardierter Form mit zwei verschiedenen Mikropelletsorten vor, die den Wirkstoff um zwei Stunden versetzt freigeben. Novartis bringt das Präparat in vier Wirkstoffstärken (10, 20, 30 und 40 mg) auf den Markt. Beim Wechsel vom Kinder- zum Erwachsenenpräparat sollte die Tagesdosis beibehalten werden, empfiehlt der Hersteller.

Bereits 2011 hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einem Methylphenidat-haltigen Arzneimittel die Zulassung für Erwachsene erteilt (Medikinet ® adult von Medice). Laut Novartis ist Ritalin adult das erste Präparat für Erwachsene, dass unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden kann. Dies sei ein Vorteil, da es erwachsenen Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) häufig schwer falle, eigenständig einen strukturierten Alltag mit regelmäßigen Mahlzeiten und Tabletteneinnahmen einzuhalten.

In der Zulassungsstudie SARA mit ADHS-Patienten zwischen 18 und 60 Jahren konnte Novartis zeigen, dass sich der ADHS-Score bei mehr als 75 Prozent aller Probanden um 30 Prozent gegenüber Placebo verbesserte. Es traten keine neuen oder unerwarteten Nebenwirkungen im Vergleich zur Therapie bei Kindern auf. Die Lebensqualität steigerte sich in der Verumgruppe um 50 Prozent gegenüber Placebo.
 


G-BA berücksichtigt künftige Behandlungsmöglichkeiten für Erwachsene mit ADHS

Berlin, 23. Juni 2011 – Mit einem entsprechenden Beschluss zur Änderung seiner Arzneimittel-Richtlinie hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Donnerstag geregelt, dass eine medikamentöse Behandlung von ADHS (Hyperaktivitätsstörungen) im Erwachsenenalter mit dafür zugelassenen methylphenidat-haltigen Arzneimitteln („Stimulantien“) nicht ausgeschlossen wird.



A. Zur Begriffsentstehung des ADS / ADHS



In Literatur und Geschichte finden sich viele Beschreibungen von Persönlichkeiten, die durch Impulskontroll- und Aufmerksamkeitsstörung sowie Hyperaktivität aus dem Rahmen fielen: King Henry VIII bei William Shakespeare, Michel aus Lönneberga bei Astrid Lindgren, Albert Einstein oder Wolfgang Amadeus Mozart. Der Zappelphilipp aus dem Struwelpeter ist das wohl berühmteste Beispiel dieser Art.

Eine erste systematische Untersuchung zum Auftreten des sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms ist in einer Arbeit von Still im Jahre 1902 zu finden: Der Autor beschreibt eine Krankheit, die durch mangelnde Aufmerksamkeit, Überaktivität und kaum zu hemmenden Willen - d.h. der Unfähigkeit zu diszipliniertem Verhalten - gekennzeichnet war, wobei Hyperaktivität nicht zwingend auftrat. Hier wurde der konzeptionelle Gedanke, dass eine Aufmerksamkeitsstörung die Entwicklung des Steuerungsvermögens und des Hemmungsverhaltens beeinflussen kann, erstmalig thematisiert.

Die durch Influenza-Viren nach dem ersten Weltkrieg verursachte Economo Enzephalitis führte bei den überlebenden Kindern zu einem klinischen Bild, das demjenigen einer Aufmerksamkeitsstörung entsprach. Entsprechende klinische Defizite fanden sich ebenfalls bei Kindern mit schwerwiegenden Hirnverletzungen, Geburtstraumata und Vergiftungen des zentralen Nervensystems.

Allerdings fanden sich bei Kindern ohne entsprechende Anamnese ebenfalls Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrations- und Impulsstörungen sowie diskrete neurologische Symptome. Diese Auffälligkeiten wurden in Zusammenhang mit leichten Hirnveränderungen gebracht, so dass der Begriff der "Minimal Cerebral Dysfunction" oder kurz MCD" resultierte.

Der Begriff des hyperkinetischen Kindes (HKS) wurde in den sechziger Jahren favorisiert und das Konstrukt einer Reizfilterschwäche formuliert, die zu einer Überstimulation führt. Die in den 70er Jahren initiierten Studien zu den neurobiologischen Grundlagen der Erkrankung haben den Weg zu einem eigenständigen Krankheitsbild unter der Bezeichnung Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit und ohne Hyperaktivität (ADS bzw. ADHS) geebnet.

Aus der historischen Entwicklung der Begriffsbildung entwickelt sich folgendes Bild der Beziehungen von hyperkinetischen Störungen, Hirnfunktionsstörungen und spezifischen Lernstörungen. Jede ist für sich genommen eine "eigene" Störung, wobei es hier zu Überschneidungen und Vermischungen kommt.

Barkley hat den konzeptionellen Gedanken von Still wieder aufgenommen und die "Störungen des Hemmungsverhaltens" als zentrales Phänomen mit gravierenden Folgen für die Selbstkontrolle in seinen Auswirkungen als Konzept dargelegt. Durch verminderte Hemmung resultiert ein Versagen wesentlicher Handlungsfunktionen im Bereich der Wachheit, Gefühlsregulation, kognitiver Funktionen, Gedächtnis und Handlungsplanung.

Heute gelten die Beeinträchtigung des Konzentrationsvermögens sowie der Daueraufmerksamkeit, eine Störung der Impulskontrolle und eine mögliche motorische Unruhe als Kardinalsymptome.

Die Angaben zur Häufigkeit von ADS bzw. ADHS variieren erheblich:

Die Erkrankung ist häufig, sie tritt bei etwa 4 % aller Kinder auf, wobei die Prävalenz international zwischen 1 % und 18 % schwankt. Dies lässt sich zum Teil auf kulturelle Unterschiede zurückführen, aber auch auf unterschiedliche Anwendung der diagnostischen Kriterien zurückführen.

Bei etwa 25 % der Erwachsenen, bei denen die Erkrankung im Kindesalter diagnostiziert wurde, lassen sich im Alter von 25 Jahren noch Symptome der Störung finden. In Studien wiesen zwei Drittel dieser Patienten eine Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität oder impulsive Verhaltensdefizite auf. Die Häufigkeit des Auftretens im Erwachsenenalter dürfte etwa bei 2 % bis 6 % liegen.

Die Variabilität der Erscheinungsbilder ist verständlich, wenn man die Störung als ein Kontinuum unterschiedlich ausgeprägter Symptome versteht.

Trotzdem lassen sich für das Erwachsenenalter typische Bilder festmachen:


B. Fallbeschreibungen

Eine 31-jährige Patientin stellt sich vor, weil sie sich selbst nicht kontrollieren könne und ihren Sohn, der hyperaktiv sei, häufig zu ihrem Leidwesen schlage. Ihre Wohnung sei ein einziges Chaos, in dem sie trotz vieler Bemühungen keine Ordnung schaffen könne, was die Familien- und Partnerdynamik zunehmend belastet.

Fremd- und eigenanamnestisch lässt sich für das Kindesalter herausstellen, dass die Patientin in der Schule durchgehend ein "Zappelphilipp" gewesen sei, hitzig aufbrausend sowie unruhig und sprunghaft. Zornesausbrüche und Wutanfälle hätten die Beziehung zu Eltern und Lehrern belastet. Lebensgeschichtlich kam es zu vielen Wohnort- und häufigen Berufswechseln.

Als gegenwärtiges Problem schilderte die Patientin neben den ausgeprägten Impulskontrollstörungen auch ein Abschweifen des Gedankengangs beim Lesen. Ihre Stimmung unterliege relativ starken Schwankungen, sie sei leicht unruhig und könne angefangene Aufgaben nicht zu Ende führen. Häufig ziehe sie Schlussfolgerungen ohne die Fakten ausreichend zu kennen. Sie habe derzeit verschiedene "Nebenjobs" und wisse nicht, wie sie ihre durchaus vorhandene Kreativität umsetzen könne.

Die Wender-Utah-Rating-Skala und der Brown-ADS-Fragebogen unterstützten die Verdachtsdiagnose. Ein computergestützter kontinuierlicher Leistungstest - der TOVA - ergibt unterdurchschnittliche Werte für den Bereich der Impulskontrolle. Die Intelligenztestung (HAWIE) ermittelt einen IQ von 110. Computertomografie des Kopfes, EEG und Laborroutine waren ohne wegweisenden Befund.

Unter der Medikation mit 5mg Ritalin zeigten sich bei computergestützter Überprüfung dann Normwerte für Impulsivität, Aufmerksamkeit und Reaktionszeitmessung. Es wurde eine tägliche Einnahme von 2 mal 5 mg Methylphenidat empfohlen.

Die Patientin berichtete einige Wochen später bei Wiedervorstellung, dass sie inzwischen ihre Kinder nicht mehr schlage, Wut und Ärger besser kontrollieren könne und insbesondere in der Lage sei, ihrem Mann zuzuhören und konzentriert die Kinder bei den Schularbeiten unterstützen zu können.

Ein 22-jähriger Patient stellte sich vor, weil er nicht in der Lage sei konzentriert über längere Zeit einer Arbeit nachzugehen, immer ein inneres Unruhegefühl habe, welches er nur durch sportliche Betätigung vermindern könne, seine Wohnung beschädige und der Partnerin wiederholt Gewalt angetan habe. "Reizüberflutung" wie zum Beispiel die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel und insbesondere das Gehen über große Bahnhöfe verwirre ihn vollständig. Er nehme seit längerer Zeit keine Drogen mehr, lebe mit seiner Freundin zusammen und wolle eine Berufsausbildung beginnen. Dazu brauche er ärztliche Unterstützung.

Er sei niedergeschlagen, weil er aus eigener Kraft seine Ziele nur begrenzt umsetzen könne und seine Partnerschaft aufgrund der mangelnden Kontrollmöglichkeiten gefährdet sei.

Aus der Kindheit des Patienten ist zu erfahren, dass motorische Unruhe - "es war unmöglich für mich, still zu sitzen" - und Schulschwierigkeiten, verbunden mit Konzentrationsstörungen das Aufwachsen komplizierten. Im elften Lebensjahr wurde die Diagnose ADS durch eine Kinderärztin gestellt und der Patient mit gutem Erfolg mit Ritalin behandelt. Wegen inkonstanter Einnahme der Medikation begleitet von Alkoholmissbrauch und Diebstahldelikten kam es zur Heimunterbringung und schließlich zum Abgleiten in das kriminelle Milieu. Mit dem 16. Lebensjahr erlangte der Patient einen Hauptschulabschluß. Drogenkonsum und Gewalttaten führten zur Haftunterbringung. Im Rahmen einer Gerichtsverhandlung wies der Patient auf seine ADS-Erkrankung hin, so dass eine zweijährige psychiatrische Therapie erfolgte. Der Patient wurde hier primär mit Neuroleptika behandelt, da Stimulanzien unter dem Hinweis der Abhängigkeitsproblematik als nicht sinnvoll erachtet wurden.

Die Wender-Utah-Rating Skala und der Brown-ADS Fragebogen unterstützen den Verdacht auf ein mögliches ADS-Syndrom. Unter Ausschluss der Einnahme von Drogen erreichte der Patient im CPT in allen Bereichen deutlich unterdurchschnittliche Ergebnisse. Der BDI bestätigte stark depressive Zuflüsse; im FPI zeigte sich eine Tendenz zur Unzufriedenheit, Impulsivität und Aggressivität. Der Intelligenztest zeigte einen IQ von 86. EEG und CT waren unauffällig. Schulzeugnisse konnte der Patient nicht vorlegen.

Unter der computergestützten Dosierung mit kontinuierlicher Steigerung von Ritalin in 5mg Dosen kam es nur sehr zögerlich zu einer Verbesserung der Aufmerksamkeit und Impulsivität, Reaktionszeit und Reaktionskonstanz. Bei einer Medikation von zweimal 20 mg Methylphenidat täglich erreichte der Patient nur eine Normalisierung im Bereich der Impulsivität und Aufmerksamkeit. Unter der zusätzlichen Gabe von Imipramin, einem Antidepressivum, in aufsteigender Dosierung in 25 mg Schritten bis 250 mg kam es zu einer Normalisierung der Testergebnisse; der Patient klagte jedoch über Nebenwirkungen, insbesondere Schwindel. Daraufhin wurde Imipramin abgesetzt und ein Therapieversuch mit zusätzlicher Gabe von 900 mg Moclobemid (Aurorix), einem anderen Antidepressivum durchgeführt. Darunter ergab sich ebenfalls eine gewisse Verbesserung der Reaktionszeiten.

Nach mehrmonatiger medikamentöser Einstellung konnte der Patient über eine deutliche Stabilisierung seines Befindens berichten, was auch von seiner Partnerin bestätigt wurde. Derzeit befindet sich der Patient in der von ihm angestrebten Ausbildung.

Eine 38-jährige Patientin stellt sich aufgrund erheblicher Konzentrationsdefizite, mangelndem Durchhaltevermögen und Problemen, ihre Emotionen zu steuern vor. Sie habe schon vor der Pubertät immer das Gefühl gehabt, "als überdrehter Motor keine Bremse zu haben". Aktuell gibt die Patientin an, durch die häusliche Situation überfordert zu sein. Sie sei ungeduldig, schlage und stoße ihre Kinder und bereue dies nachträglich sehr. Sie könne nur mit großen Schwierigkeiten ein Buch lesen und vergesse oft, was sie gerade habe tun wollen. Sie habe darüber hinaus aber auch im Berufsleben und ihrer Partnerschaft große Schwierigkeiten. Zu den Arbeitskollegen finde sie keinen Zugang, sie nehme permanent eine Außenseiterposition ein. Ihr Chef sei wohl nicht mit ihrer Arbeitsleistung zufrieden und halte sie für nicht belastungsfähig. Ihre Partnerschaft sei zunehmend durch Streitigkeiten, gegenseitige Intoleranz und die Auseinandersetzung mit den hyperaktiven Kindern belastet. Zum beruflichen Werdegang befragt, berichtet die Patientin über häufige Wechsel der Arbeitsplätze. Sie sei unter dem Druck der jeweiligen Leistungsanforderungen sehr oft nicht lange diesen gewachsen gewesen.

Die Patientin stellte sich zur Differentialdiagnose eines möglichen Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms, nachdem diese Diagnose bei ihren Kindern von Seiten des Kinderarztes gestellt wurde.

Diagnostik: Wender-Utah Rating Skala ist nicht auszuwerten. Die Patientin erinnert lediglich ein "tiefes Gefühl der Traurigkeit", der "Hilflosigkeit" und der "Angst vor vielen Dingen". Unordnung und Schlamperei hätten ihr viele Schwierigkeiten eingebracht.

Brown-ADD Skala: Deutliche Hinweise für ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom

BDI/FPI (Beck-Depressionsinventar / Freiburger Persönlichkeitsinventar): Deutliche Hinweise für stark ausgeprägt depressive Symptome

Hawie R: IQ 109 - hier Hinweis für mögliche Aufmerksamkeitsprobleme

TOVA: Im Bereich der Reaktionszeit, der Aufmerksamkeit und der Impulsivität erreicht die Patientin unterdurchschnittliche Ergebnisse. Die Testwiederholung bestätigt das Ergebnis. Bei einem erneuten Test unter 5 mg Ritalin zeigt die Patientin eine Normalisierung ihres Leistungsprofils. Wegen der stark ausgeprägten depressiven Symptomatik wird aber eine antidepressive Medikation mit Aurorix bevorzugt, unter der die Patientin ebenfalls eine Normalisierung aller Funktionsbereiche in der Computertestung zeigt.

Aufgrund der Vorgeschichte und der Untersuchung der Patientin lässt sich eine depressiv gefärbte Persönlichkeitsentwicklung, die hier exogen ausgelöst zu sein scheint, gut herausarbeiten, welche die Patientin in ihrer gegenwärtigen Lebenssituation belastet. Daneben stehen eine Vielzahl von Belastungsfaktoren in der Kindheit, die durch vertiefte Anamneseerhebung herauszuarbeiten waren.

Inwieweit die zweifellos bestehende Aufmerksamkeits- und Impulskontrollstörung primär oder sekundär besteht, lässt sich aufgrund der mangelnden Rekonstruktionsmöglichkeiten der Kindheit im Hinblick auf ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom nicht sagen.

Die Patientin hat nach medikamentöser Therapie mit Aurorix, einem Antidepressivum, bei der TOVA-Testung ein normales Aufmerksamkeits- und Impulsverhalten entwickelt, das sich nach Absetzen der Medikation erneut signifikant verschlechterte. Dies kann durch den antidepressiven Effekt der Medikation erklärt werden oder auch durch die bekannte positive Wirkung des Medikaments auf die Aufmerksamkeit und Impulskontrolle. Der Verdacht auf eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung ist nicht ungerechtfertigt und könnte durch die Diagnose bei einem Kind gestützt werden. Die Patientin hat sich unter der angegebenen Medikation in einem Beobachtungszeitraum von sieben Monaten deutlich stabilisieren können.

Ein 39-jähriger Redakteur schreibt einen Selbsterfahrungsbericht nach erstmaliger Verordnung einer Stimulanzientherapie: "Ich bin mir sicher, dass mir die kleinen Tabletten geholfen haben, strukturierter, konzentrierter und ruhiger an das tägliche Arbeitspensum heranzugehen und es ohne künstlichen Stress, Aufregungen und zuletzt auch Hektik zu bewältigen. Im übertragenen Sinn heißt das: manchmal fühle ich mich geradezu wie ein ruhiger abgeklärter Fels in der Brandung, während um mich herum die "Sau los war". Der 60-köpfige chaotische Produktionsapparat des Fernsehens verstärke das eigene Chaos nicht mehr. Ich konnte meine Entscheidungen ruhig und selbstsicher treffen. Ich konnte am nächsten Morgen (nach diversen langen Aufzeichnungstagen) locker an die am Vortag nicht erledigten Aufgaben herangehen und habe selbst bei nervenden monotonen Arbeiten - wie dem ständigen Überarbeiten der Aufzeichnungslisten -, die ein hohes Maß an Konzentration erfordern, keine Aussetzer wie üblich gehabt. Auch von Müdigkeit oder "Kreativitätsverlust" kann ich nicht berichten. Im Gegenteil, Ritalin wirkt für meine Gedanken wie ein Katalysator, was die Geschwindigkeit und Denkstrukturierung angeht. Meine laienhafte Schlussfolgerung: Durch die Medikation mit Ritalin bin ich in der Lage, meine beruflichen Pflichten zu meistern. Gereiztheit, Unzufriedenheit, Unausgeglichenheit und/oder Aggressionen gegen Frau, Kinder und Hund und mich selbst haben sich auf sehr niedrigem Niveau eingependelt. Nach einem Auslassversuch glaube ich festgestellt zu haben, dass sich meine Lebensqualität und die meiner Umgebung deutlich verminderte.

 

Defizite die vom Patienten beschrieben werden:

  •  Wenn ich will, kann ich mich konzentrieren, regelrecht in etwas hineinsteigern, ansonsten bekomme ich nur die Hälfte mit.
  • Ich schiebe Dinge gerne bis zum allerletzten Moment auf.
  • Selbst wenn Aufgaben drängen, tue ich all das, was ich nicht tun sollte, jeder Reiz wird dankbar aufgenommen.
  • Ich leide unter extremen kurzfristigen Stimmungsschwankungen, die meiner Umwelt auf die Nerven gehen und echte Krisen bedingen.
  • Wenn mir eine Aufgabe angetragen wird, habe ich Ideen und Konzepte meistens schnell fertig. Allein der lange Atem, die Dinge durchzustehen, fehlt mir oft. Manchmal stauen sich die Ideen auch in meinem Kopf.
  • Ich weiß eigentlich, dass ich gut bin, aber warum kann ich mich so schlecht verkaufen?
  • Wenn ich einen Gedankengang formulieren muss, besteht die große Gefahr vom Hölzchen auf's Stöckchen zu kommen.
  • Ich glaube, dass ich mehr sehe als andere. Vor allem wichtige Kleinigkeiten. Auch beim nebensächlichen Gucken entdecke ich nur kleinste Schnittfehler.

C: Dilemma bei der Betreuung und Behandlung


Es gibt kein Testverfahren, mit dem die Diagnose der Erkrankung gesichert werden kann. ADS ist keine kategoriale, sondern eine dimensionale Diagnose: entscheidend ist die Ausprägung der Merkmale.

Die Diagnose ergibt sich mosaikartig aus der Vorgeschichte, die beim Patienten selbst wie auch bei Eltern, Familienmitgliedern, Lehrern, Betreuern und anderen möglichen "Beobachtern" abgefragt wird, und wird durch neuropsychologische Testverfahren untermauert und überprüft. Die diagnostischen Kriterien besitzen eine sehr hohe Zuverlässigkeit in verschiedenen Untersuchungen, Validität und guter Vorhersagbarkeit für den Verlauf und das Ansprechen auf eine Pharmakotherapie.

Insbesondere für Erwachsene ist es häufig schwierig, das Auftreten der Störung für ihre Kindheit nachzuprüfen, wenngleich die Einschätzung aus den Fragebogentestungen eine gute Korrelation zwischen subjektiven und objektiven Einschätzungen der Betroffenen ergeben. Die Debatte über die Angemessenheit der Diagnose hat sich in den letzten Jahren erheblich verschärft, weil bei steigender Zahl der Zuweisungen und häufig nach Selbstdiagnose der Patienten die Indikationsstellung zur Medikation mit Stimulanzien oder Antidepressiva beständig ansteigt und einer kritischen Prüfung nicht immer standhält. In Deutschland wurden an Stimulanzien im Jahr 1995 0,7 Millionen Tabletten verordnet, im Jahr 1999 waren es bereits 31 Millionen Tabletten.

Trotz entsprechender Richtlinien für Kinder zeigt die Praxis eine sehr unterschiedliche Handhabung diagnostischer und therapeutischer Empfehlungen.

C. Klinische Bilder und Fragen bei Erstvorstellung

Einfühlbare Beweggründe für die Vorstellung von Kindern und Jugendlichen unter dem Verdacht einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung sind zum Beispiel mangelnde schulische Leistungsfähigkeit, aggressives oder dissoziales Verhaltung und/oder Verlust familiärer Interaktionen.

Erwachsene mit ADS berichten über Probleme bei der Erziehung der Kinder sowie in der Partnerschaft; häufig weil sie selber ungeduldig und impulsiv sind. Erwachsene werden andererseits durch die Reaktion ihrer Umgebung bzw. der Partner oder Arbeitskollegen auf ihre Schwächen aufmerksam. Abschweifen des Gedankengangs, Zerstreutheit und das Unvermögen, einem Gesprächspartner aufmerksam zu folgen, sind u.a. häufige Klagen. Betroffene haben Aufmerksamkeits- und Impulskontrollstörungen, motorische Defizite, Schwierigkeiten in den Bereichen Organisation sowie Probleme im sozialen Umfeld, emotionale Störungen und Stressintoleranz. Die Ergebnisse der Intelligenztestung divergieren häufig mit nicht entsprechenden schulischem und beruflichem Erfolg. Depression, Suchtentwicklung und Delinquenz sind Facetten einer möglichen ADS-Störung.

Die Beurteilung der langfristigen Verläufe hyperkinetischer Störungen stützt sich heute auf die Ergebnisse von drei nordamerikanischen Langzeitstudien. Erwachsene mit ADS bzw. ADHS weisen im Vergleich zur Kontrollgruppe "normaler" Erwachsener eine schlechtere Schullaufbahn auf, zeigen niedrigere Leistungen in kognitiven Tests, haben einen schlechteren beruflichen Status, sind öfter in kriminelle Delikte verwickelt, konsumieren häufiger Drogen, weisen mehr Suizidversuche auf, besitzen geringere Sozialfertigkeiten, haben ein niedrigeres Selbstwertgefühl und weisen mehr psychiatrische Begleitdiagnosen auf.

Somit wird deutlich, dass Patienten mit einem ADS bzw. ADHS häufig durch Störungen des Sozialverhaltens sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch belastet sind. Die Prädiktoren dieser Verläufe sind erst in Ansätzen bekannt, so dass eine individuelle Prognose kaum möglich ist.

 

D. Diagnostik

Die Diagnostik bei Kindern erfolgt im Wesentlichen durch Untersuchung, Beobachtungen und Befragung der Kinder/Jugendlichen selbst, der Eltern und der Bezugspersonen in Kindergarten, Schule oder Ausbildungsstätte. Diese Form der Diagnostik, die zum großen Teil über Fragebogen abgedeckt werden kann, dient der Erfassung folgender Informationen:

  • Häufigkeit, Intensität und situative Variabilität der Leitsymptome Hyperaktivität, Impulsivität und Aufmerksamkeitsstörung (z.B. Child-Behaviour-Checklist)
  • Informationen über das Verhalten im Kindergarten/in der Schule (z.B. Child-Behaviour-Checklist, Zeugnisse)
  • Elternfragebogen zur systematischen Erfassung und Gewichtung der verschiedenen Störungsbereiche
  • Verhaltensbeobachtung der Kinder und Jugendlichen
  • Störungsrelevante Rahmenbedingungen wie mangelnde Wärme in familiären Beziehungen, inkonsistentes Erziehungsverhalten, Bewältigungskonzepte und Strategien der Eltern in kritischen Erziehungssituationen
  • Leistungstests zur Ermittlung des kontinuierlichen Aufmerksamkeitsvermögens, der Konzentrationsfähigkeit und der Impulsivität ("Continous performance test", z.B. "TOVA-Test")
  • bei Schulkindern wird zumindest eine orientierende Intelligenzdiagnostik empfohlen, die ausführlicher sein muss, wenn Hinweise auf Leistungsprobleme (Noten, Klassenwiederholung, Sonderbeschulung) oder auf schulische Unterforderung vorliegen
  • körperliche und neurologische Untersuchung, Laborroutine


Die Diagnostik bei Erwachsenen umfasst folgende Elemente:

  • Untersuchung und Befragung des Patienten, der Partner, Freunde u.a.m.
  • Zeugnisse, gegebenenfalls Berichte von Eltern oder anderer Bezugspersonen
  • Erstellung eines Lebenslaufs, der den "roten Faden" der ADS-/ADHS-Symptomatik nachverfolgen lässt
  • Verhaltensbeobachtung
  • Fragebogentestungen (Wender-Utah-Rating-Skala, Brown-ADS-Skala)
  • Persönlichkeitstest (BDI, FPI)
  • Intelligenztest (z.B. HAWIE)
  • kontinuierlicher Leistungstest ( CPT - z.B. TOVA)
  • körperliche und neurologische Untersuchung, Laborroutine


E. Differentialdiagnostik

Für Kinder wie Erwachsene gilt es insbesondere, das weite Spektrum der Normvarianten im Auge zu behalten und ADS/ADHS gegenüber anderen Erkrankungen oder Zuständen abzugrenzen:

  • Lebhaftigkeit ist keine Hyperaktivität
  • intellektuelle Über- oder Unterforderung führt zur Unaufmerksamkeit
  •  bei Kindern beeinträchtigt inkonsistentes Erziehungsverhalten den Reifungsprozess
  • Reizüberflutung verlangt nach verstärkten Reizen und lässt sich nicht durch Stimulanzien behandeln
  • Verhaltensauffälligkeiten aufgrund ungünstiger Sozialisationsfaktoren oder eines gestörten Milieus müssen ebenso wie oppositionelles Verhalten abgegrenzt werden
  • Negative Selbstkonzepte oder depressive Störungen (auch als komorbide Störung), manische Episoden oder schizophrene Störungen gehören um Spektrum der Differentialdiagnose. Das gilt auch für Angststörungen, z.B. Leistungsängste.
  • geistige Behinderungen und organische Hirnschäden, Hör- und Sehschwächen, isolierte Teilleistungsstörungen (wie Dysgrafie oder Dyskalkulie) sollten ausgeschlossen werden
  •  Allergien können im Einzelfall zu motorischer Unruhe führen
  • metabolische Störungen wie Schilddrüsenüberfunktion oder Diabetes melutis führen ebenfalls zu Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Dasselbe gilt für Patienten mit Pyknolepsie und komplex fokalen Anfällen.
  • Andererseits können Erkrankungen wie das Gilles-de-la-Tourette Syndrom, Chorea, Neurofibromatose Typ1 sowie das fragile X-Syndrom mit Aufmerksamkeitsdefizitstörungen assoziiert sein


Alle neurologischen Störungen und Erkrankungen wie z.B. Durchblutungsstörungen, Schädel-Hirn-Trauma, Hirnverletzungen, Hirntumoren und andere können zur Aufmerksamkeitsbeeinträchtigungen führen.

 

F. Therapie

Für die Therapie des Erwachsenen gibt es bisher keine Richtlinien. Jedoch wird man diese einerseits, wie bei Kindern, an der individuellen Situation und der Defizitsymptomatik des Patienten festmachen, andererseits können verschiedene Ansatzpunkte der Pharmakotherapie ausgewählt werden. Dabei ist die Annahme, dass komplexe Störungen im Katecholaminhaushalt die Ursache der ADS-/ADHS-Symptomatik sind, insoweit hilfreich, als dabei für Dopamin eine wesentliche Rolle bei Antrieb und Motivation, für Noradrenalin bei Aufmerksamkeitsleistungen und für Serotonin bei der Impulssteuerung vermutet wird. Hier ist die Aufklärung des Patienten wesentlich.

Retrospektiv kann der Erwachsene eine Vielzahl von Belastungsfaktoren in seinem Leben in anderer Perspektive wahrnehmen und neu ver- bzw. bearbeiten. In Abhängigkeit des sich anamnestisch und klinisch präsentierenden Problems sollte eine medikamentöse Therapie überdacht werden. D.h., eine mehr depressiv gefärbte Symptomatik mit Konzentrationsdefiziten und Selbstwertstörung ist beispielsweise durch die Gabe von trizyklischen Antidepressiva wie Imipramin, Desimipramin oder Nortriptylin positiv zu beeinflussen. Patienten mit Antriebsdefizit, innerer Unruhe ("immer das Gefühl, als ob sie ihren inneren Motor nicht abstellen können") und/oder depressiven Zuflüssen reagieren positiv auf die Gabe des selektiven MAO-A-Hemmers Moclobemid. Ein günstiger Einfluss auf das Syndrom bei Erwachsenen wurde auch von Fluoxetin, einem selektiven Serotonin Reuptake Hemmer, berichtet. Dies gilt auch für Clonidin. Bei der Behandlung mit Stimulanzien hat sich ein guter Effekt auf Unruhe, Aufmerksamkeitsdefizit, Impulsivität und depressive Verstimmung in mehreren kontrollierten Studien ergeben.

Nach etwa 60 Jahren Erfahrung in der Therapie des Hyperkinetischen Syndroms mit Stimulanzien gibt es keine Hinweise auf die Entwicklung einer Abhängigkeit bei Kindern oder Erwachsenen, wenn Diagnose und Indikation korrekt gestellt wurden.

Unordnung und chaotische Organisation im beruflichen und privaten Bereich stellen ein Charakteristikum der Lebensumstände der Betroffenen dar. Die Erwartung, durch die medikamentöse Therapie allein systematisches, planvolles und zielgerichtetes Handeln zu erzielen, wird bei den Betroffenen schnell enttäuscht, kann dagegen mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen mit gutem Erfolg eingeübt werden. Für alle Symptome des ADS gilt das Bild des Automotors, der nur funktioniert, wenn neben dem vollen Benzintank - z.B. "Ritalin" - auch Kupplung und Gangschaltung bedient werden können.

Für den Einstieg in eine Therapie ist die Analyse der Verfassung und der Lebenssituation des Patienten wesentlich. Der Versuch zu helfen basiert auf einer psychopathologischen Einschätzung des Gesamtbildes, dem die entsprechenden Therapieangebote zugeordnet werden. Oftmals ist eine Therapie erst möglich, wenn der Patient medikamentös in die Lage versetzt wird, sich einer Therapie zu unterziehen.

Ein Instruktionstraining z.B. soll den Patienten in die Lage versetzen, sich selbst zu kontrollieren und zu steuern. So ein Training orientiert sich an Alltagsproblemen, die mit dem Patienten besprochen und gegebenenfalls neu "organisiert" werden, wobei der Patient dahin geführt werden sollte, für sich selbst neue Wege zu erarbeiten und einzuüben. Das Training kann dabei über einen langen Zeitraum laufen und in kleinen oder kleinsten Schritten erfolgen, um dem Patienten so die Möglichkeit zu schaffen, neue Strukturen für sich zu etablieren. Folgende Beispiele seien genannt:

Problem: Verlieren und Verlegen von Dingen, die zur Arbeit oder im Alltag gebraucht werden wie Schlüssel, Brillen, Stifte, Unterlagen, Notizzettel.

Training: Definition von Orten, wo Dinge abzulegen sind und Einüben/Einhalten dieser Regeln: Flurkommode und Schreibtisch für Brille und Schlüssel, Stifte in der
Brusttasche oder auf dem Schreibtisch, Unterlagen und Notizen nur auf dem
Schreibtisch und einem Ablagekorb.

Mit der Zeit werden diese Sachen an den definierten Orten zu finden sein, der Patient "erspart" sich den Frust des ewigen Suchens.

Problem: Strukturierung und Organisation von "immensen" Arbeitsprojekten wie z.B.
die Erstellung einer großen Präsentation oder die Vorbereitung für einen
Familienurlaub oder auch "kleinere" Arbeiten wie z.B. das Aufräumen des
Schreibtisches oder das Putzen des Badezimmers.

Training: Die Projekte werden in kleine bzw. kleinste Arbeitsschritte zerlegt.
Daraufhin wird eine Arbeitsabfolge erarbeitet und diese dann Schritt für
Schritt abgearbeitet. Wichtig ist dabei das Erkennen und Bearbeiten von
Blockaden, die das "Durchziehen" der Projekte behindern oder gar
vereiteln. Diese Blockaden sind lösbar!

Problem: Prioritäten setzen

Training: Alle anstehenden Projekte und Arbeiten - große wie kleine - werden
schriftlich erfasst. Der Patient muss dann alle Aufgaben drei verschiedenen
Kategorien zuordnen:

(A) muss sofort erledigt werden

(B) ist nicht sofort, aber baldmöglichst zu erledigen

(C) kann später erledigt werden

Daraus ergibt sich dann eine Reihenfolge der zu bearbeitenden Projekte,
die gegebenenfalls nun, wie oben beschrieben, strukturiert und organisiert
werden kann.

Problem: Alltagsbewältigung: Wie bekomme ich einen
ganz normalen Tag "geregelt"?

Training: Im Prinzip handelt es sich hier um ein "Großprojekt" wie oben beschrieben.
Mit dem Patienten werden die zu erledigenden Dinge und Arbeiten des
Tages aufgelistet: von morgens aufstehen, über Betten der Kinder machen
bis abends die Kleider für den nächsten Tag bereit legen und den
Frühstückstisch für den Morgen decken.

Wichtig ist es, dem Patienten mit ADS/ADHS zu motivieren und zu bestätigen. Die Arbeit an sich selbst hilft ihm, die Potenziale und Qualitäten, die bei ihm vielleicht mehr ausgeprägt sind als bei "normalen" Menschen, besser hervorzuheben und für sich zu nutzen. Menschen mit ADS/ADHS sind oftmals neugieriger und kreativer, haben eine Begabung zu unkonventionellen Lösungen zu finden, können gut improvisieren, haben die Fähigkeit zur Mobilisierung von viel Energie und Enthusiasmus wenn etwas interessant ist, sind sprachlich oft gewandt und beharrlich in der Verteidigung eines Standpunktes, von dem sie überzeugt sind.

Zu den Nebenwirkungen:

Den potentiellen Nebenwirkungen von Methylphenidat, wie sie in der Literatur und von Seiten des Herstellers Erwähnung finden, sollte im Sinne einer Überwachung des Patienten Beachtung geschenkt werden (der Hersteller überarbeitet derzeit den "Waschzettel", dem Erkenntnisse von vor etwa 20 Jahren zugrunde liegen). Kontraindikationen im eigentlichen Sinne gegen eine Methylphenidat-Therapie gibt es nur wenige. Eine Psychose kann sich bei gleichzeitiger Gabe von Stimulanzien verschlimmern. Da Stimulanzien die Plazentaschranke passieren, sollten sie nicht während der Schwangerschaft eingesetzt werden, da ein Missbildungsrisiko nicht ausgeschlossen werden kann. Sind beim Betroffenen oder in der Familie Suchterkrankungen bekannt, sollte wegen der Gefahr des Medikamentenmissbrauchs die Verordnung besonders sorgfältig überwacht werden. Methylphenidat kann wie alle Stimulanzien bei entsprechender Veranlagung Tics auslösen oder verstärken. In nahezu allen Fällen kam es nach Absetzen der Medikation zur Rückbildung der Tic-Symptomatik. Stimulanzien sollten nicht bei Erkrankungen eingesetzt werden, bei denen die Gabe von Sympathomimetika kontraindiziert ist.

Aufgrund der mangelnden Langzeitbeobachtung von Patienten unter Stimulanzientherapie lassen sich behauptete Auswirkungen wie z.B. die irreversible Schädigung der Dopaminrezeptoren oder serotonerger Neuronen noch nicht sicher einschätzen. Dies gilt auch für die beschriebene kortikale Atrofie als Langzeitnebeneffekt.

Kritiker einer Stimulanzientherapie heben auch indirekte Nebeneffekte vor: Kinder verlören ihre Verantwortlichkeit für das eigene Verhalten, die Medikamente unterdrückten normale Spontaneität, Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation.

 

G. Ausblick

Die Diagnose eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms, das für Patienten eine Vielzahl lebensgeschichtlicher Probleme zwanglos erklärt und durch medikamentöse Therapie gut behandelbar scheint, stellt für Patienten und Ärzte eine große Verführung dar. Eine Vielzahl der Patienten können mit einem "genetisch bedingtem Defizit", das sie schuldlos getroffen hat und medikamentös beeinflussbar ist, wesentlich besser umgehen als mit einer anders gearteten, möglicherweise psychiatrischen Diagnose. Der allgemeine Verlust familiärer Interaktion, Leistungsdruck und die geringe Toleranz gegenüber aus dem Rahmen fallenden Charakteren, wie sie durch Mark Twains "Huckleberry Finn" dargestellt werden, verführt unter dem Etikett einer Aufmerksamkeitsstörung, diese Probleme medikamentös angehen zu wollen.

Wenn die Gabe von Methylphenidat derart drastisch ansteigt und in den Vereinigten Staaten heute etwa 30 % der Kinder mit Stimulanzien "behandelt" werden, wird man annehmen müssen, dass "Aufmerksamkeitsstörungen" offenbar ein allseits auftretendes Phänomen zu werden drohen, welches auch Verordnende betreffen kann. Einhalt kann dieser Entwicklung nur geboten werden, wenn wir unsere Aufmerksamkeit schärfen und die Diagnose kritisch hinterfragen.

Die dargestellten Fortschritte im Verständnis der Neurobiologie dieser Störung werden helfen, diese in Zukunft besser zu definieren. Fraglos ist jedoch, dass eine Vielzahl von Patienten von kritischer Diagnose und Therapie profitieren können. Verhaltenstherapie für Kinder und Erwachsene, Elterntraining und Hilfestellung für Pädagogen sind bisher für eine effektive Betreuung der Patienten kaum etabliert.

Ganz sicher sind die Bedingungen der sozialen Umwelt von großer herausragender Bedeutung. Nicht nur der sozialen Schicht, sondern den vielfältigen psychosozialen Belastungen der Familie und der Komorbidität mit der Störung des Sozialverhaltens kommt eine wesentliche Bedeutung zu. Therapie und Prävention müssen in diesem Bereich ihren Schwerpunkt haben, weil die Pharmakotherapie allein mit ihrer wichtigen symptomatischen und stabilisierenden Wirkung den Verlauf der ADS/ADHS nicht bedeutsam verändern kann.



  (c)  Von Recklinghausen Gesellschaft e.V.

                 http://www.bv-nf.de/node/140

Persönliche Erfahrungsberichte



 

Bericht an Doktor Joachim Selle über die Entwicklung meiner Behandlung mit  Methylpheni TAD bei der Einnahme von 5 mal 0,5 mg täglich.

 

Ich nehme das Medikament nun seit dem 10.10.08.

Schon in den ersten tagen habe ich eine Veränderung bemerkt mit der ich aber nicht so recht umgehen konnte.

Der innerliche drang kann ich heute sagen hatte sich wohl gelöst. Der Drang immer etwas tun zu müssen.

Eine seltsame innerliche ruhe so würde ich es bezeichnen die ich bisher nicht kannte.

 

Es war schwer zu verstehen da ich ja meine ganzes Leben mit diesem Druck gelebt hatte.

Ich habe auf Drogen zugegriffen um einigermaßen ruhig zu werden.

Auch Alkohol war deshalb mein ständiger Begleiter.

 

Nachdem ich es dann geschafft hatte nach einer Entgiftung ( die sechste) 7 Monate trocken zu bleiben habe ich gemerkt das sich der innerliche druck immer öfter und stärker breit machte.

Aus Angst wieder dem Alkohol zu verfallen habe ich mein Haschischkonsum drastisch erhöht.

Aber genau dies wollte ich ja nicht und so habe ich angefangen mich immer kritischer und ernster zu beobachten. Was ich aber gesehen habe gefiel mir gar nicht. Das bin nicht ich habe ich gesagt, das ist auch nicht mein Charakter und so will ich auch nicht sein.

In meiner Position als Vater habe ich versagt weil meine Kinder mehr Angst als Respekt vor mir hatten. Statt ruhe und Geborgenheit eben Stress und Geschrei. Auf der Arbeit konnte kaum jemand mit meiner Leistung mithalten also habe ich auch dort geschrieen Kollegen die hart gearbeitet haben waren für mich alles faule Schweine keiner konnte mich mit seiner Leistung zufrieden stellen.

Oft wurde gesagt der spinnt doch, heut weis ich sie hatten recht.

Und genau das habe ich dann auch gesagt: Doc ich hab ne Macke mach die mal weg.

Ich habe mir einen Arzt ausgesucht der sich eben mit Drogenproblemen wirklich auskennt und ihm genau dies wie oben beschrieben vorgetragen.

 

Nun heute kann ich sagen das ich meinen Charakter entspreche.

Anfangs konnte ich kaum glauben was ich doch alles kann wenn ich ruhig und beherrscht bin.

Meine Umwelt empfängt mich mit offenen armen und alles was ich angehe mache ich zielstrebig und nichts kann mich und meine fortschritt aufhalten.

Es ist eine Selbstverständlichkeit ohne Alkohol und Drogen zu leben und das macht auch noch Spaß.

In manchen Sachen bin ich streng wie vorher auch aber nun versteht man mich auch  weil ich mich deutlich und effizient ausdrücken kann. Wenn man schreit wird man nicht ernst genommen.

Ich habe mich wieder um Arbeit bemüht und eine Stelle angeboten bekommen wobei die Vorraussetzung der Autoführerschein ist. Kein Problem was soll mich davon abhalten habe ich gesagt und getan habe ich es auch schon. Ja ich gehe zur Zeit in die Fahrschule und mache ihn. Im Januar werde ich die Arbeit aufnehmen worauf ich mich sehr freue. Angst vorm Führerschein oder vor Prüfungen besser gesagt habe ich keine mehr da das lernen leicht fällt.

Konzentration und Lehrfähigkeit sind wieder voll da.

 

Meine Lebensqualität ist nur durch dieses Medikament  um über 100% GESTIEGEN:

Ich finde es daher auch unverantwortlich das wenn ein Arzt der Erfahrungen damit gesammelt hat und jemanden so wie mir AHDS bescheinigt dies nur Privat verschreiben darf.

Krankenkassen die so etwas nicht unterstützen sollte man wegen unterlassene Hilfeleistung verklagen.

Sollten mir jemals die Geldlichen Mittel zur Verfügung stehen werde ich das tun. Gans in Ruhe aber konsequent.

 

Ich kann mich an dieser Stelle nur bei meinem Doc bedanken der mir das zurück gegeben hat was mir zusteht. Ein Leben zu führen wie ich meine Familie und die Gesellschaft  es verlangt.

 

Ein leben was eine Qual war hat er mir genommen und eine sicher Zukunft die ich in Liebe und Harmonie verbringen werde hat er mir geschenkt. Danke Doc ich hoffe du wirst noch vielen Menschen so helfen können wie mir.

 

Wegen der Veröffentlichung lasse ich die Namen weg es danken dir auch meine Frau und die sieben Kinder. Ein tollen Mann und Papa haben sie jetzt

 

 

 Dirk B.

Castrop Rauxel den 08.12.08


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